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Die Einsatzkräfte der Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks (THW), im folgenden als Hilfsdienste bezeichnet, sind bei ihren täglichen Einsätzen weniger mit Brandgeschehen als mit Einsätzen der allgemeinen Hilfe und Katastrophenhilfe konfrontiert, wie die nachstehende Abbildung zeigt.

Abb.1: Verteilung der Gesamteinsätze der Feuerwehren 2004; zur besseren Übersicht sind die im Rahmen der Arbeit zu betrachtenden Einsatzkategorien fett gedruckt dargestellt

 

Dabei treffen die Einsatzkräfte auf tierische und menschliche Sekrete, Exkrete, Körperteile oder Leichen, kranke und krankheitsübertragende Tiere oder werden zur Seuchenbekämpfung eingesetzt. Dadurch sind sie immer wieder der Gefahr ausgesetzt, sich selbst im Einsatz zu infizieren.

Dies wurde zuletzt durch die Fernsehbilder von den Seuchenschutzmaßnahmen auf der Insel Rügen im Zusammenhang mit der Vogelgrippe im Frühjahr 2006 deutlich.

 

Den Hilfsdiensten fehlt in diesem Zusammenhang oftmals die Grundlage einer Gefährdungsanalyse, da es bisher keine Forschungsarbeiten zu diesem Themenkomplex gibt. Ziel dieser Arbeit ist es somit, eine wissenschaftlich fundierte Analyse der zu erwartenden Gefahren anhand der Auswertung bisheriger Infektionsfälle bei Einsatzkräften zu erstellen und eine Basis für künftige Gefährdungsanalysen zu bilden.

Basierend auf den gewonnenen Ergebnissen soll in einem zweiten Teil das Risikobewusstsein der Einsatzkräfte und die Verbreitung und Kenntnis gängiger Schutzmaßnahmen untersucht werden.

Aus den zusammengefassten Resultaten dieser Analysen sollen Erkenntnisse zur Verbesserung des Infektionsschutzes durch technische, hygienische und immunologische Maßnahmen abgeleitet werden.

 

         

Im Gegensatz zur Infektionsgefährdung des medizinischen Personals im Krankenhaus, Rettungsdienst und Katastrophenschutz ist diejenige für nicht-medizinische Einsatzkräfte der Hilfsdienste nach Literaturrecherche bisher kaum untersucht worden.

Beispielsweise weist die "Encyclopedia of occupational health and safety"  keinerlei Gefahren für Feuerwehrleute durch Infektionen aus[ [i] ]. Auch für hazardous-response personnel, also Einsatzkräfte, die mit allen Arten von Gefahrstoffen bei Unfällen umgehen, (in Deutschland wird diese Aufgabe vorwiegend von den Feuerwehren oder dem THW übernommen) werden im gleichen Werk zwar die biologischen Gefährdungen als möglicherweise vorhanden aufgeführt, aber es werden keine näheren Aussagen zu konkreten Gefahren gemacht[ [ii] ].

Lediglich die Infektion mit Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Viren bei Feuerwehrleuten war bereits Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen in den USA und Großbritannien [ [iii] ] [ [iv] ] , jedoch liegen keine Ergebnisse aus Deutschland vor.

Ein Impfschutz, zumindest gegen Hepatitis B, wird für die Einsatzkräfte regelmäßig von verschiedenen Autoren und Gruppierungen gefordert.

Von der Ständigen Impfkommision (STIKO) wird sie als Impfung "auf Grund eines erhöhten beruflichen Risikos, z. B. nach Gefährdungsbeurteilung entsprechend der Biostoffverordnung und dem G 42 und aus hygienischer Indikation" [ [v] ] empfohlen.

Entgegen dieser Empfehlung wird die Hepatitis B-Impfung oftmals als generelle Impfung für alle Angehörigen der Feuerwehren gefordert und stellenweise durchgeführt.[ [vi] ] [ [vii] ]

Auch die Fachliteratur im Feuerwehrbereich beschreibt die Tatsache der Infektionsgefahren bei Hilfeleistungseinsätzen selten und beschreibt diese vor allem für das medizinische Personal, kaum jedoch für das nicht-medizinische Personal (vgl. [ [viii] ] [ [ix] ]).

Lediglich im Nachgang zum Hochwasser der Elbe im Jahr 2003 gibt es in einer Feuerwehrzeitschrift einen Artikel [ [x] ], der sich umfangreicher mit den möglichen  Infektionsgefahren in Überschwemmungsgebieten auseinandersetzt, jedoch werden auch hier nur potentielle Infektionsmöglichkeiten und -krankheiten im Zusammenhang mit Überschwemmungssituationen vorgestellt.

Fallberichte zur Thematik sind nicht zu finden.

 



[i] Firefighting Hazards

Guidotti TL in: Stellmann JM (HRSG.) Encyclopaedia of Occupational Health and Safety; International Labour Office, Geneva 1998

 

[ii] Hazardous-Response Personnel

Fedoruk MJ in: Stellmann JM (HRSG.) Encyclopaedia of Occupational Health and Safety; International Labour Office, Geneva 1998

 

[iii] Hepatitis B markers in Gloucestershire firemen

Springbett RJ, Cartwright KAV, Watson BE, Morris R, Cantle A

Occup. Med. 1994; 44: 9-11

 

[iv] Blood Exposure and the Risk of Hepatitis B Virus Infection in Firefigthers

Woodruff BA, Moyer LA, O'Rourke KM, Margolis HS

J Occup Med 1993; 35: 1048-1054

 

[v] Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut / Stand: Juli 2005

Indikations- und Auffrischungsimpfungen

Robert-Koch-Institut, HRSG..

Epidem Bull 2005; 30: 260-263

 

[vi] Auch freiwillige Feuerwehr braucht Hepatitis-Impfungen

Ärzte-Zeitung 14.05.2003

 

[vii] Wer Verletzte rettet und versorgt, braucht Hepatitis-B-Schutz

Ärzte-Zeitung 09.05.03

 

[viii] Cimolino U, Springer H, Südmersen J, Infektionsgefahren im Feuerwehrdienst. In: Südmersen J, HRSG.. Technische Hilfeleistung bei PKW-Unfällen. Landsberg/Lech: ecomed verlagsgesellschaft, 2002:211-212

 

[ix] Herbst W. Hygiene im Einsatz. Stuttgart - Berlin - Köln: Verlag W. Kohlhammer, 1998

 

[x] Blank I. Vorsicht, infektiös!. Feuerwehr-Magazin spezial 2003;1:66-70